SNJ Spray-Metal:

Echtes Aluminium-Finish mit der Airbrush

Lockheed NF-104A, ein Trainingsflugzeug für die Astronauten und Piloten der X-15.

Beim SNJ-Metallizer handelt es sich um ein “Farb-System”, das aus 2 Komponenten besteht:
(a) Aluminiumpulver-haltigem Grundlack,
(b) Aluminiumpulver zum Hochglanzpolieren.


Arbeitsanleitung:
(1) Das A und O ist die Vorbereitung der Oberfläche, die nach Abschluß der Arbeiten in ei-nem möglichst perfekten und naturgetreuen Glanz erstrahlen soll. Dazu muß diese Ober-fläche nach Abschluß der Spachtel- und Schleifarbeiten so glatt wie irgendmöglich werden. Die Oberfläche des Modells braucht und sollte auch nicht grundiert werden.
Ich empfehle zu diesem Zweck eine weiche Baumwoll-”Schwabbelscheibe”, die in eine Hand-Kleinbohrmaschine eingespannt wird. Die Umdrehungszahl darf jedoch wegen der auftreten-den Wärmeentwicklung nicht zu hoch sein. Eine Möglichkeit auszuprobieren, wieviel Touren das zu polierende Material verträgt (Wird wohl meist Polystyrol sein), ist, die Innenseiten großflächiger Bauteile versuchsweise bei verschiedenen Umdrehungszahlen anzupolieren. Aber vorsichtig sein!
Grunsätzlich gilt, daß während und nach diesem Arbeitschritt die mit SNJ-Grundlack zu lackierende Oberfläche nicht mehr angefaßt werden sollte. Es empfiehlt sich ohnehin die Verwendung von - nicht zu dünnen - Baumwoll-Handschuhen (In Apotheken für 5,- bis 8,-EUR erhältlich).

(2) Als nächstes folgt die Vorbereitung auf den Auftrag des SNJ-Grundlackes. Dabei ist ständig zu beachten, daß das darin enthaltene Aluminiumpulver sich relativ schnell absetzt. Zur Entnahme aus den Vorratsflaschen haben sich kleine Einweg-Spritzen (4 bis max. 10ml) bewährt. Nie den Grundlack längere Zeit offen stehenlassen, weil das Lösungsmittel relativ schnell verdunstet und möglichst dünnflüssig bleiben muß, denn der Auftrag ist nur mit einer Spritzpistole möglich! Außerdem dürfen nur Spritzpistolen mit “hängendem” Vorratsbehälter verwendet werden, da bei oberhalb der Mischkammer angebrachten Behältern das sich ab-setzende Aluminiumpulver die Zuleitung verstopfen würde. Meine alte KAGER-Airbrush (Single-action mit Innenmischung) kommt mit dem Grundlack bestens zurecht, meine REVELL-Student ebenso. Das Aluminiumpulver muß fortwährend im Vorratsbehälter durch ständiges, leichtes Schütteln in Schwebe gehalten werden.

(3) Der Auftrag des Grundlackes ist der aufwendigste und kniffligste Teil des Ganzen. Das gleichmäßige Aufsprühen des Grundlackes bereitet für einen einigermaßen geübten keinerlei Schwierigkeiten. Die Oberfläche des Modells muß drei bis viermal mit dem SNJ-Grundlack besprüht werden, bis dieser deckt. Zwischen jedem Überzug muß 10-15min (bei Raumtempe-ratur) zum Antrocknen des Grundlackes gewartet werden. Die Problematik besteht darin, daß während der Trocknungzeit sich die Spritzpistole unverzüglich mit in der Mischkammer verbliebendem SNJ-Grundlack zusetzt und verstopft. Folglich muß die Spritzpistole in der Wartezeit gesäubert werden. Die 10-15min sind gerademal genug Zeit, die Spritzpistole kom-plett zu zerlegen, zu reinigen und wieder zusammenzubauen. Das ist zwar lästig, aber unabdingbar! Es empfielt sich, alles was zum Reinigen benötigt wird, wie beispielsweise Wattestäbchen, Waschbenzin, Toilettenpapier etc. schon in ausreichender Menge vorzuhalten. Während dieser Zeit verbleibt nicht verbrauchter Grundlack im (abnehmbaren) Vorratsbehälter und wird vor jedem neuen Überzug wieder sanft aufgeschüttelt. Das Ender-gebnis ist ein +/-seidenmatter, silberfarbener Überzug.
Kleine Flächen oder Modelle (z. B. Starfighter in 1:72) können am Stück lackiert werden. Bei größeren Flächen (wie Tragflächen einer B-52 in 1:72) sollten abschnittsweise lackiert werden. Wie bei anderen Lacken auch, gilt es “Pfützen” und/oder “Laufnasen” durch zu dicken Lack-Auftrag zu vermeiden.
Zu diesem Zeitpunkt haben wir schon 1-1,5 Stunden von der Außenwelt abgeschirmt in der geliebten Bastelecke zugebracht. Nach einer weiteren Stunde Warte-(Trocknungs-)Zeit kommen wir nun zum Clou der ganzen Geschichte:

(4) Das Auftragen des Aluminium-Polierpulvers! Nebenbei bemerkt, Flächen, die nur seiden-matt glänzen sollen, werden mit dem im Beginner-Set beigefügten Poliertuch mit der Hand oder vorsichtig maschinell ohne Polierpulver poliert. Flächen, die im Glanze des Metall-Effektes erstrahlen sollen, werden nun in der gewünschten Größe maskiert (aber nicht zu große Flächen wählen!). Generell empfehlen sich zum Maskieren (auch bei den nachfolgen-den Arbeitsschritten) sogen. Low-Tack-Tapes, am besten die Post-It-Notes von 3M. Nicht vergessen, auch nach der einstündigen Trocknungszeit nur noch mit Baumwoll-Handschuhen arbeiten!
Das Polierpulver wird nun in geringen Mengen auf das Poliertuch aufgetragen und aus-schließlich mit der Hand (Zeigefinger mit kurzem(!) Fingernagel) vorsichtig und möglichst gleichmäßig “verrieben” bzw. einpoliert. Kurze Anmerkung: Herstellerseitig wird für die Zeit des Polierens mit dem Polierpulver das Tragen eines Atemschutzes empfohlen.
Grundregel: Je länger die Polierbewegung und je mehr Polierpulver, desto größer der Glanz-Effekt. Aber nie zu stark aufdrücken!!
Nachdem wir nun schon gute 2-3 Stunden (Je nach Größe des Modells und Geschicklichkeit auch länger) in der Bastelecke verweilt haben, haben wir und das Modell nun eine Erholungs- und Trocknungspause von gut 12 Stunden verdient. Nach dieser Zeitspanne ist das SNJ-Spray-Metall sicher für das Abdecken und maskieren für weitere Lackierarbeiten.

(5) Das Aufbringen von Lacken wie z.B. von Revell, Humbrol etc. ist völlig unschwierig, das Abdecken bzw. Maskieren ist jedoch problematisch: Die ausschließliche Verwendung von Low-Tack-Tapes ist nicht empfehlenswert, da die Farbe infolge der (sonst gewünscht) gerin-gen Haftung schnell unter die Maske laufen kann. Geeigneter ist die Verwendung von mög-lichst schmalen (0,8-1,0mm) Zierstreifen, beispielsw. von der Fa. Graupner (RC-Modellbau; aber die schwarzen nehmen, nicht die roten). Diese sind zwar relativ teuer, eignen sich aber noch am besten. Der Rest der Oberfläche wird mit Low-Tack-Tapes abgedeckt, die jedoch möglichst paßgenau an den/die Zierstreifen angepasst werden sollten. Die zwischen beiden Materialien entstehende, kaum vermeidbare Fuge wird mit Colour-Stop von Revell überdeckt. Aber Vorsicht, das Colour-Stop greift etwas die Hochglanzpolitur an! Aber auch der Zierstrei-fen und die Low-Tack-Tapes sollten nur so kurz wie irgendmöglich angeheftet sein! Deshalb ist das Nachlackieren das Schwierigste an der ganzen Sache. Wer jetzt denkt, er könne schlauer sein und diese Flächen schon vor dem Auftrag von SNJ lackieren, der irrt. In Einzelfällen mag das tatsächlich von Vorteil sein, aber generell rate ich davon dringend ab.

(6) Eine Tönung des Metallizers kann durch 2 grundverschiedene Methoden erzielt werden:

(6.1) Durch das nachträgliche abtönen mittels einer Hand-Kleinbohrmaschine mit weicher Baumwoll-”Schwabbel”-Scheibe in Verbindung mit anders getönten Polierfarben wie z.B. Humbrol, Testors, Gunze etc.
Auf eine glatte Trägerfäche (CD-Hülle o.ä.) wird mit dem Pinsel Metallizer-Farbe dick aufge-tragen. Nachdem diese vollständig durchgetrocknet ist, wird diese Metallizer-Farbe mit der Schwabbelscheibe zur Pigmentaufnahme poliert. Nun wird die mit Post-It-Notes maskierte Fläche vorsichtig und mit gleichmäßigem Druck mit der Schwabbelscheibe poliert. Dabei gilt die Regel: Je höher die Umdrehungszahl, je stärker der Druck und je länger poliert, desto mehr Pigment wird von der Schwabbelscheibe auf das SNJ übertragen und desto stärker der Tönungseffekt.

(6.2) Duch die Mischung des SNJ-Grundlackes mit Farben von Revell, Humbrol,...kann ebenfalls eine Tönung erzielt werden. Bei dieser Methode treten nur folgende Probleme auf: Mit steigendem Farbenanteil erhöht sich die Trocknungszeit des Grundlackes, außerdem wird bei nachträglicher Politur mit dem Polierpulver der neue Farbton wieder fast vollständig überdeckt.

Das Aufbringen von Decals ist dagegen wirklich unproblematisch, sauberes Arbeiten ist aber auch hierbei nicht schädlich.
Weiterhin ist es möglich, Blechstöße bzw. -fugen durch normale Tinte (schwarz oder blau) hervorzuheben!

So schön und durch andere Verfahren unerreichbar der Metall-Effekt auch ist, einen Nachteil hat das SNJ-System: Ebenso wie während der Herstellung sollte auch das fertige Modell nur noch mit Baumwoll-Handschuhen angefasst werden. Fingerabdrücke sind nur dann unschädlich, sofern diese unverzüglich mit Polierpulver überpoliert werden.
Von allen Versuchen, das SNJ zu versiegeln, wird dringenst abgeraten!!!!!!!
Aber etwas besseres als SNJ ist mir nicht bekannt.


(7) Herstellerseitig wird noch ein weiteres Schmankerl angeboten: Eine kurze Anleitung zur Herstellung eines Chrom-Effektes. Vorausschickend muß ich aber sagen, daß ich dieses Verfahren noch nicht ausprobiert habe und folglich +/- nur das wiedergebe, was in der beigefügten Produkt-Info (auf englisch) steht. Das ganze Verfahren macht einen nahezu völlig unschwierigen Eindruck. Aber solche Eindrücke können täuschen. Da steht:
Für einen realistischen Chrom-Effekt ist das (entsprechende) Teil mit glänzend weißer Farbe (“enamel paint”) zu bemalen. Sobald die Farbe berührtrocken ist, wird die Fläche mit dem Aluminium-Pulver poliert.
So, fertig ist der Lack (oder auch nicht?). Die Herstellung des SNJ-Metallizer-Effektes hat man mit etwas Übung und Geschick schnell ´raus. Die Herstellung eines wirklich “realis-tischen” und vor allem gleichmäßigen und nicht-scheckigen Chrom-Effektes stelle ich mir doch als etwas problematisch vor.

Am Cockpit Decals fast wie lackiert und unterschiedliche Brünierung am Leitwerk.

Tja, das war´s soweit. Ich hoffe, ich habe die Verarbeitung des wirklich tollen Materials hinreichend verständlich geschildert. Sollten sich Fragen ergeben - nur zu.

Zum Abschluß noch ein gut gemeinter Rat: Auch wenn es dem eingefleischten Modellbauer schwer fällt, so rate ich doch dazu, mehrere Modelle für den Auftrag von SNJ vorzubereiten, um den Inhalt des Vorratsfläschchens möglichst gut auszunutzen. Der Grund: nach dem erstmaligen öffnen des Fläschchens altert der Grundlack sehr schnell (mehrere Tage bis Wochen, kann sehr unterschiedlich sein!) und wird durch das "ausflocken" des enthaltenen Aluminiumpulvers schnell unbrauchbar. Daher mit dem Lackieren lieber etwas warten und dafür dann später mehrere Modelle in "einem Rutsch" lackieren.

Michael Kletzsch

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